Stephen King: Wind

Originaltitel: The Wind Through The Keyhole

Aus dem Amerikanischen von Wulf Bergner

© 2012 by Stephen King

© der deutschsprachigen Ausgabe by Wilhelm Wilhelm Heyne Verlag, München

ISBN 978-3-453-26794-7

COVER:

Stephen King kehrt nach Mittwelt zurück, in jene phantastische, farbenprächtige und zugleich unheimliche Region, wo der Dunkle Turm im Zentrum aller Dinge steht.

Roland Deschain, der letzte Revolvermann, hat zusammen mit seinen Gefährten den Grünen Palast hinter sich gelassen. Als sie auf dem Pfad des Balkens ins Land Donnerschlag unterwegs sind, zieht ein heftiger Sturm heruaf, vor dem sie Schutz in einer verlassenen Hütte finden. Dort erzählt Roland seinen Begleitern, was in seiner Jugend geschah, nachdem seine Mutter gestorben war und ihn Schuldgefühle plagten: Sein Vater schickte ihn zu einer entlegenen Ranch nahe Debaria in der Baronie Neu-Kanaan, wo grausame Morde stattfanden. Alle Anzeichen deuteten auf einen Gestaltwandler als Täter hin – den „Fellmann“ -, und es gab nur einen Zeugen: einen kleinen Jungen, der jetzt seines Lebens nicht mehr sicher war. Selbst noch ein Teenager, versucht Roland, den Kleinen vor dem großen Showdown mit einer Bettgeschichte zu beruhigen und ihm Mut zu machen, so wie seine Mutter es immer tat. Er erzählt ihm die Geschichte vom unerschrockenen Tim, der gegen einen bösen Zauberer antreten musste …

REZENSION:

Die Geschichte um den Dunklen Turm ist wahrlich ein erhabenes Werk und eine Schöpfung, die seinesgleichen sucht.

Nun kommt Meister King mit „Wind“ erneut ums Eck und möchte dem Leser eine weitere Episode aus Mittwelt nahe bringen. Nun, bereits hier könnte man ihm den Vorwurf machen, er mache es sich ziemlich einfach – immerhin ist zwar die Geschichte um den Turm erzählt, aber es gibt genug Lücken im Leben Rolands, auf die man als Autor hinweisen könnte. Somit wäre es ein leichtes für Stephen King, sich den Rest seines Lebens um die detaillierte Darstellung Rolands zu kümmern – mit „Wind“ scheint es los zu gehen.

Sehr leicht könnte man somit King diesen Vorwurf machen – jedoch handelt es sich hier um Stephen King, und wenn einer ein guter Geschichtenerzähler ist, dann er.

Stephen King legt nun eine Geschichte in einer Geschichte in einer Geschichte vor – klingt ziemlich verwirrend, ist aber sehr eingängig: Zuerst trifft man auf die bekannte Reisegruppe, die sich vor einem Sturm schützen muss und währenddessen genug Zeit für eine Erzählung Rolands hat. Roland erzählt nun eine Episode aus seiner Vergangenheit und in dieser Erzählung erzählt der junge Roland einem Kind eine weitere Geschichte. Am Ende dieser Geschichte kommen wir zurück zu Rolands Geschichte, um an deren Ende wieder bei unseren Hauptdarstellern des Dunklen Turms zu landen.

Klingt alles ziemlich verwirrend, ist aber logisch und nachvollziehbar aufgebaut. Darüber hinaus befindet man sich innerhalb kürzester Zeit wieder im Sog des Universums von Mittwelt und man ist abermals gefangen von Rolands Leben.

Abermals neigt man das Haupt vor dem genialen Geschichtenerzähler und man ist erfreut, mal wieder in Mittwelt gewesen zu sein. „Wind“ ist nebenbei erwähnt auch noch recht spannend und lässt ein wenig den Wilden Westen aufleben – dafür hat man ja Revolvermänner.

Alles in allem hat „Wind“ aber auch ein erhebliches Problem zur Folge: Nach Schließen des Buches möchte man erneut in die Tiefen des Dunklen Turms eintauchen und somit am Liebsten wieder mit „Schwarz“ beginnen – doch woher verdammt noch mal soll man sich die Zeit immer und immer wieder dafür hernehmen? Irgendwie dreht sich hier das Rad sehr stark und man muss ab und an Prioritäten setzen, um erneut auf dem Weg zum Turm zu sein.

Jürgen Seibold/08.12.2012

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