Jussi Adler-Olsen: Erbarmen

Originaltitel: Kvinden i buret
Aus dem Dänischen von Hannes Thiess
Ca. 417 Seiten / 14,90 €
Deutsche Erstausgabe Oktober 2009
ISBN 978-3-423-24751-1
c 2008 Jussi Adler-Olsen/J.P./Politikens Forlagshaus A/S, Kopenhagen
c 2009 der deutschsprachigen Ausgabe: Deutscher Taschenbuch Verlag GmbH & Co. KG, München

COVER:

Und dann kam die Angst … wie ein schleichendes Gift. Sie horchte auf die verzerrte Stimme, die aus einem Lautsprecher irgendwo im Dunklen kam. „Herzlichen Glückwunsch zu deinem Geburtstag, Merete. Du bist jetzt hier seit 126 Tagen, und das ist unser Geburtstagsgeschenk: Das Licht wird von nun an ein Jahr lang eingeschaltet bleiben. Es sei denn, du weißt die Antwort. Warum halten wir dich fest?“

Wer sind die Entführer?

Was wollen sie von dieser Frau?

Kann ein Mensch ein solches Martyrium überleben?

Es ist der erste Fall für Carl Morck, Spezialermittler des neu eingerichteten Sonderdezernats Q in Kopenhagen, und seinen syrischen Assistenten Hafez el-Assad: ein atemloser Wettlauf um das Leben einer Frau, die längst als tot gilt.

REZENSION:

Jussi Adler-Olsen lässt einen Spezialermittler auf ungelöste Fälle los, wie er nicht geschickter aufgebaut sein könnte. Latent erinnert mich Carl Morck an den Übervater der Kriminologen: Columbo. Hinzu kommt jedoch noch ein weiterer persönlicher Aspekt, der dafür sorgt, dass dieser Vergleich etwas hinkt: Carl Morck hat irgendwie überhaupt keine Lust auf irgendwas.

Seine Kollegen jedenfalls haben keine Lust auf den knatschigen, unzufriedenen und psychisch angeschlagenen Morck – was dazu führt, dass sie die Gelegenheit ergreifen und Morck zum obersten Herrn eines neuen Departments machen: Dem Sonderdezernat Q, dass sich um ungelöste Fälle von besonderem Interesse kümmern soll.

Nun, wie gesagt hat Morck keine Lust und vertreibt sich in seinem Kellerbüro Anfangs vorwiegend die Zeit mit einigen Patiencen Spider Solitaire auf seinem Rechner.

Irgendwie bohrt sich jedoch mehr und mehr der Fall einer verschwundenen Politikern in seine Gehirnwindungen und er fängt somit unmotiviert das Ermitteln an. Teilweise durch den immensen Antrieb seines syrischen Assisten Assad angetrieben, teilweise durch das steigende Interesse, führt es die beiden immer näher an die Umstände dieses Verschwindens, die nun schon 5 Jahre auf dem Buckel hat.

Mehr soll über diese absolut spannende und überwiegend glaubhafte Geschichte auch nicht gesagt sein. Am Wichtigsten in Adler-Olsens Buch ist die Entstehung eines Ermittlerduos, das seinesgleichen sucht und durch und durch für eine neue Erfrischung im Genre sorgt.

Jussi Adler-Olsen erster Fall für Carl Morck ist zwar teilweise vorhersehbar – nichts desto trotz lässt es sich sehr gut lesen und strotzt vor spannenden und manch boshaften Elementen, die dafür sorgen, dass ein überwiegend als klassisch zu betrachtender Kriminalfall sehr geschickt in das Thrillergenre abdriftet. Dies ist sehr erfreulich im weiteren Verlauf und sorgt für das gewisse Kribbeln, das man als Leser sucht. Sehr schön auch die Gabe des Autors, die dafür sorgt, dass ERBARMEN nicht nur spannend sondern teils auch humorvoll erzählt ist. Dadurch entsteht nur noch mehr eine Glaubwürdigkeit und man ist auf jede weitere Seite erheblich mehr als nur gespannt.

Somit ein absoluter Höhepunkt im sonst so nachvollziehbaren Genre und der erste Grund, sich dem zweiten Band zu widmen.

Jürgen Seibold/26.06.2011

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