David Zurdo & Ángel Gutiérrez: 616 – Die Hölle ist überall

“ alt=““ width=“180″ height=“180″ /></a>Originaltitel: 616 – Todo es infierno

Übersetzung: Alice Jakubeit

c 2006 by David Zurdo/Ángel Gutiérrez

c 2008 für die deutschsprachige Ausgabe by Knaur Verlag

ca. 408 Seiten / 14,95 €

COVER:

“Der Teufel, den der Exorzist für besiegt hielt, hatte sie hinters Licht geführt. Das Wesen stieß ein grausames Lachen aus, das aus unendlicher Ferne zu kommen schien …”

In einem kleinen spanischen Dorf soll der ehemalige Priester seliggesprochen werden. Nach altem Brauch wird er zunächst exhumiert, um festzustellen, ob er unversehrt in seinem Sarg liegt. Doch den Anwesenden bietet sich ein grausiges Bild: Alle Knochen des Toten sind gebrochen, der Sargdeckel von innen zerkratzt. Und Jesuitenpater Albert Cloister entdeckt mit Entsetzen die ins Holz geritzten Worte: “Die Hölle ist überall”.

Albert Cloister gehört einer Kommission des Vatikans an, die mit wissenschaftlichen Mitteln unerklärliche Vorfälle untersucht. Seit einiger Zeit gibt es Grund zur Besorgnis: Es häufen sich Berichte von Nahtoderfahrungen, die nicht im Licht, sondern in unfassbaren Leiden enden. Den Betroffenen bleibt nur Hoffnungslosigkeit. Was steckt dahinter? Warum sagte sogar Jesus am Ende: “Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?”

Zutiefst beunruhigt wendet sich Pater Albert einem neuen Fall zu, der die Nonnen eines Klosters in Boston umtreibt. Ihr alter Gärtner Daniel hat quälende Alpträume, nachdem er aus einer Feuersbrunst gerettet wurde. Die Therapeutin Audrey Barrett, die sich um ihn kümmert, entdeckt fremdes Wissen in ihm, das er eigentlich nicht haben kann – Wissen über ihren vor fünf Jahren verschwundenen Sohn …

Während Audrey zu allem bereit wäre, um ihr Kind wiederzufinden, nimmt Pater Albert den Kampf mit einer anderen Dimension auf. Aif den Spuren des Bösen reist er um die ganze Welt und zu den Wurzeln seines Glaubens, um endlich Wahrheit zu erlangen – doch werden die Menschen sie ertragen können?

REZENSION:

“616 –  Die Hölle ist überall” spielt mit allen Facetten des Mysterygenres und wirkt dadurch teilweise sehr klischeebeladen. Nichts desto trotz ist 616 ein Buch, das trotzdem zu überzeugen weiß und sicherlich jeden Mysteryfan bei der Stange hält. Die beiden Wissenschaftsjournalisten Zurdo und Gutierrez schienen ihre ganzen Erfahrungen in diesem Bereich in ein Buch mit lediglich etwa 400 Seiten einbauen zu wollen – dies kann schief gehen, aber auch funktionieren. In diesem Fall hat es funktioniert, da die unterschiedlichen Erzählstränge geschickt beieinander bleiben und der Leser niemals auch nur annähernd den Faden verliert.

Die Erzählweise der beiden Autoren ist sehr eingängig und sorgt von Seite zu Seite für ein leichtes Kribbeln beim Leser – steigt doch nicht nur die Spannung in ungeahnte Höhen, sondern auch die Dichte der Geschichte.

Nebenbei führen sehr mystische Elemente – wie z.b. der Hinweis des Teufels höchstpersönlich – zu üblichen Thrillerlementen, die zur Aufdeckung eines Psychopaten führen.

Beinahe am Interessantesten in dieser Geschichte ist die Darstellung des persönlichen Glaubenskrieges eines Paters, der durch seine wissenschaftliche Betrachtung innerlich sehr zerrissen ist und sich deshalb auf der Suche nach der Wahrheit befindet.

Sicherlich werden Kenner des Genres einige Facetten und leider auch Klischees kennen und unter Umständen belächeln – man sollte aber nicht aus dem Auge verlieren, dass es solche klassischen Mysteryromane in der Vergangenheit zwar sehr oft gab – heutzutage aber leider nicht mehr allzu häufig in einer gelungenen Qualität aufzufinden sind. Man denke nur an William Peter Blatty’s DER EXORZIST, dessen Paralellen in diesem Buch nicht von der Hand zu weisen sind. Aber warum soll man ein gutes Essen, gemischt mit einigen neuen Gewürzen, nicht erneut auf den Tisch bringen? Deswegen schmeckt es auch nicht schlechter. In diesem Fall siegt der Geschmack und schafft sogar die ein oder andere überraschende Wendung – was sehr für das Ideenreichtum der Köche spricht.

Somit ein für Genreliebhaber sehr gelungenes und spannendes Werk, das bereits allein durch die reale Erkenntnis der Bedeutung der Zahl 616 für sich spricht.

Jürgen Seibold/19.05.08

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